KI stellt das traditionelle Managed-Services-Modell infrage. Und das ist gut so.
Seit Jahrzehnten basiert die Technologie-Servicebranche auf einer relativ einfachen Gleichung: Technologie verkaufen, Technologie implementieren, Technologie betreiben. Ob sich ein Anbieter als Reseller, Systemintegrator, Managed Service Provider oder Security Services Partner bezeichnete – das Geschäftsmodell war häufig erstaunlich ähnlich. Der Umsatz hing von Projekten, Personalaufwand, Auslastung und operativer Leistung ab. Je komplexer die Umgebung, desto mehr Services liessen sich verkaufen. Und je mehr Arbeitsstunden erforderlich waren, desto mehr Umsatz konnte erzielt werden.
Künstliche Intelligenz beginnt jedoch, diese Gleichung infrage zu stellen. Nicht, weil KI jeden Engineer, Consultant, Security Analyst oder Operator ersetzen kann, sondern weil sie das Verhältnis zwischen Aufwand und Wert verändert.
Kunden wollten nie mehr Aufwand
Die wenigsten Kunden wachen morgens mit dem Wunsch nach mehr Projekten, Tickets, Change Requests oder Beratungsstunden auf. Sie wollen sichere Umgebungen, einen zuverlässigen Betrieb, Compliance, eine schnellere Geschäftsentwicklung und weniger Risiken. Diese Ergebnisse waren schon immer das Ziel. Die Branche nutzte lediglich Implementierungs- und Betriebsaufwand als primären Mechanismus, um sie zu erreichen.
KI verändert das. Aufgaben, für die bisher grosse Teams, manuelle Analysen, repetitive Fehlerbehebung, umfangreiche Dokumentation oder operative Koordination erforderlich waren, lassen sich zunehmend automatisieren, beschleunigen oder autonom ausführen. Dadurch stellen Kunden eine neue Frage: «Wenn KI den erforderlichen Aufwand reduziert, warum bezahle ich dann immer noch für Aufwand?»
Einführung ist nicht das Ziel
Der aktuelle KI-Markt zeigt dies deutlich: Viele Unternehmen haben KI-Initiativen gestartet, Lizenzen erworben und sogar Pilotprojekte abgeschlossen. Dennoch können nur relativ wenige einen klaren geschäftlichen Nutzen nachweisen.
Die Erkenntnis ist einfach: Die Einführung einer Technologie ist nicht dasselbe wie eine Business Transformation. KI einzuführen ist einfach. Mit KI erfolgreich zu arbeiten, ist deutlich anspruchsvoller.
Wie bei jeder grossen Technologiewelle entsteht der Wert nicht bei der Implementierung, sondern im laufenden Betrieb. Genau hier stossen viele traditionelle Servicemodelle an ihre Grenzen. Sie sind auf Implementierungsprojekte und Transformationsprogramme ausgerichtet. Der Kunde erlebt den eigentlichen Mehrwert jedoch erst lange nach dem Go-live.
Warum der Betrieb wichtiger wird, nicht weniger wichtig
Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass KI die Bedeutung des Betriebs reduziert. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Je einfacher sich Technologie implementieren lässt, desto stärker wird der Betrieb zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal.
Erfolgreich werden nicht jene Anbieter sein, die Technologie am schnellsten implementieren. Erfolgreich werden jene sein, die den Betrieb kontinuierlich sicherstellen, optimieren, steuern und absichern – und die erzielten Ergebnisse laufend verbessern.
KI automatisiert zunehmend die Ausführung. Wertvoll bleiben operative Expertise, Kontext, Verantwortlichkeit und Vertrauen. Kunden brauchen weiterhin jemanden, der für das Ergebnis einsteht. Jemanden, der ihre Umgebung versteht, Entscheidungen treffen kann, wenn die Automatisierung an ihre Grenzen stösst, und die Verantwortung für den Service übernimmt.
Die nächste Generation von Managed Services
Dies ist insbesondere im Bereich Security und SASE relevant. Ursprünglich verkauften Security-Anbieter Transparenz. Danach verkauften sie Technologie-Stacks. Später kamen Managed Operations hinzu.
Die nächste Phase gehört dem ergebnisorientierten Betrieb. Kunden werden Anbieter zunehmend anhand von Fragen wie diesen beurteilen:
- Wie schnell können Bedrohungen erkannt und eingedämmt werden?
- Wie viel manueller Aufwand lässt sich eliminieren?
- Wie konsistent lassen sich Richtlinien durchsetzen?
- Wie sicher und regelkonform ist der tägliche Betrieb?
- Wie stark werden interne Teams operativ entlastet?
Dabei handelt es sich um operative Ergebnisse, nicht um technische Funktionen. KI macht diese Ergebnisse auf eine Weise messbar, die bisher nur schwer möglich war.
Die Zukunft gehört operativer Verantwortlichkeit
Wir bei Open Systems sind überzeugt, dass KI die Technologie-Servicebranche grundlegend verändern wird. Traditionelle Value-added Reseller, Integratoren und Managed Service Provider stehen vor einer Entscheidung: Sie können weiterhin Aufwand verkaufen – oder sich hin zu einem ergebnisorientierten Geschäftsmodell entwickeln.
Erfolgreiche Anbieter werden drei Fähigkeiten miteinander verbinden:
- Produktplattformen, die sich effizient skalieren lassen.
- KI-gestützte Automatisierung, die die Ausführung kontinuierlich verbessert.
- Tiefgreifende operative Expertise, die für den Erfolg der Kunden verantwortlich bleibt.
Denn letztlich kaufen Kunden Technologie nicht um ihrer selbst willen. Sie kaufen Ergebnisse. Im KI-Zeitalter werden jene Unternehmen die nächste Generation von Technology Services prägen, die diese Ergebnisse konsistent nachweisen können.
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