Warum sie zur Grundlage moderner, sicherer, globaler Geschäftsmodelle geworden ist

Teil 1 unserer Connectivity-Serie

Connectivity ist wahrscheinlich das unspektakulärste Thema in der IT, und genau darin liegt das Problem

Niemand begeistert sich für Access-Leitungen, Routing-Policies, Backbone-SLAs oder ISP-Verträge. Sie gelten als Infrastruktur: notwendig, aber nicht strategisch.

Bis sie ausfallen.

Wenn der Strom ausfällt, steht alles still. Der Blackout in Teilen Portugals und Spaniens 2025 hat eindrücklich gezeigt, dass Infrastruktur unsichtbar ist – bis zu dem Moment, in dem sie es nicht mehr ist.

Mit Connectivity verhält es sich genauso. Sie bildet die Grundlage für Ihren Cloud-Zugang, Ihre SaaS-Anwendungen, Ihre SASE-Inspektion und Ihre Remote-Arbeitsplätze.

Und anders als bei einem Stromausfall ist der Effekt bei schlechter Connectivity oft schleichend: Langsame Anwendungen, ruckelnde Calls, Security-Inspection, die Latenz erzeugt statt Vertrauen.

Die Schuld wird dann häufig den Tools gegeben. Doch das eigentliche Problem liegt oft eine Ebene tiefer.

In dieser dreiteiligen Serie erklären wir, warum Connectivity heute nicht mehr „nur“ Netzwerk ist, sondern die Grundlage für SASE, Cloud-Transformation und sichere globale Geschäftsprozesse.

In Teil 1 zeige ich, warum die Art und Weise, wie viele Organisationen heute über Connectivity denken, nicht mehr zur Realität passt, in der ihre Netzwerke funktionieren müssen.

Connectivity ≠ Das Netzwerk von gestern

Viele Jahre lang bedeutete Enterprise-Connectivity vor allem eines: Filialen über MPLS mit der Zentrale verbinden.

Dieses Modell entspricht heute nicht mehr der Realität. Das heutige Unternehmensnetzwerk muss Folgendes unterstützen:

  • global verteilte Nutzer und Standorte
  • hybride und Remote-Arbeitsmodelle
  • Cloud-first- und SaaS-lastige Architekturen
  • Echtzeit-Kollaboration
  • bandbreitenintensive Workloads wie AI, IoT und Media Processing
  • verteilte Security-Inspection und Policy-Enforcement über SASE

Connectivity ist heute kein statisches Rohr mehr zwischen zwei festen Punkten. Sie ist zu einem dynamischen, multidirektionalen Verkehrssystem geworden, in dem Nutzer, Anwendungen und Daten ständig zwischen Büros, Clouds, Produktionsumgebungen und Remote-Standorten wechseln.

Connectivity bestimmt heute:

  • Applikationsperformance und Latenz
  • die End-User Experience
  • die Effektivität von Sicherheitskontrollen
  • Business Continuity bei Ausfällen
  • die Machbarkeit globaler Expansion

Sie ist damit keine rein technische Utility mehr. Sie ist ein Business-Enabler, und zunehmend die Ebene, die entscheidet, ob Ihre SASE- und Cloud-Investitionen tatsächlich ihren Nutzen entfalten.

Warum Connectivity geschäftskritisch geworden ist

1. Globale Unternehmensstrukturen brauchen intelligentes Connectivity-Design

Die meisten Organisationen betreiben heute eine hochgradig hybride IT-Landschaft.

Ein typisches Setup umfasst:

  • Büros, Hauptsitze und Produktionsstandorte
  • On-Premise-Rechenzentren
  • Public-Cloud-Plattformen wie Azure oder AWS
  • Private-Cloud-Umgebungen
  • global verteilte SaaS-Anwendungen

Anwendungen sind längst nicht mehr zentralisiert.

Ein Nutzer in Singapur greift vielleicht auf eine Private Cloud in Frankfurt zu. Eine Produktionsanlage in Mexiko repliziert Daten in eine Cloud-Region in den USA. Ein Finance-Team in London nutzt Systeme, die über mehrere Availability Zones verteilt sind.

Ohne durchdachtes Connectivity-Design werden solche Datenflüsse schnell fragil.

Ist die zugrunde liegende Connectivity-Schicht instabil, schlecht angebunden oder ohne Verständnis der Applikationsflüsse aufgebaut, geraten alle darüberliegenden Ebenen – inklusive SASE und Security Services – unter Druck.

Connectivity ist das Fundament, auf dem diese internationalen, hybriden Geschäftsmodelle funktionieren.

2. Hybrid- und Remote-Arbeit haben Netzwerkgrenzen neu definiert

Remote- und Hybridarbeit haben die Traffic-Muster grundlegend verändert. Mitarbeitende greifen heute von Heimnetzwerken, Shared Workspaces oder mobilen Umgebungen zu – alles Orte, die IT nicht direkt kontrollieren kann.

Externe Partner und Lieferanten benötigen ebenfalls sicheren Zugang zu internen Systemen. Videokonferenzen und Kollaborationstools erzeugen gleichzeitig konstant hohe Bandbreitenanforderungen.

Auch wenn Sie den Heimanschluss eines Nutzers nicht kontrollieren können, können Sie steuern,

  • wie Traffic geroutet wird
  • wie er optimiert wird
  • welche Prioritäten er über Backbone und Cloud-Verbindungen erhält

Wenn Connectivity schlecht konzipiert ist:

  • SaaS-Anwendungen wirken langsam
  • Video-Calls ruckeln
  • Security-Inspection erzeugt spürbare Latenz
  • Nutzer verlieren Vertrauen in die IT

Wenn Connectivity intelligent designt ist:

  • Cloud-Zugriffe fühlen sich lokal an
  • Traffic umgeht überlastete Pfade
  • Performance bleibt auch unter Last stabil

Connectivity ist damit zu einem direkten Faktor der User Experience geworden.

3. Der Bandbreitenbedarf explodiert, und zwar strukturell

Der Bandbreitenanstieg ist kein subjektiver Eindruck. Er ist messbar, global und beschleunigt sich weiter.

Laut TeleGeography State of the Network 2025 stieg die globale Internetbandbreite allein im Jahr 2024 um 22 %. Die gesamte internationale Bandbreite liegt inzwischen bei 1 479 Tbps, mit einer vierjährigen CAGR von 25 %. Seit 2020 hat sich die internationale Bandbreite mehr als verdoppelt.

Noch eindrücklicher: Die aggregierte Long-Haul-Bandbreitennachfrage hat sich zwischen 2019 und 2023 mehr als verdreifacht und erreicht 5 Pbps. Viele Weltregionen verzeichneten in diesem Zeitraum jährliche Wachstumsraten von 35–40 %.

Dieses Wachstum ist strukturell, getrieben von Faktoren, die nicht verschwinden werden:

  • Videokollaboration in Unternehmen
  • Cloud-first-Architekturen und SaaS-Portfolios
  • AI-Training und Inference-Workloads
  • IoT-Telemetrie aus globalen Produktionsstandorten
  • grosse Design- und Mediendateien
  • Backup- und Disaster-Recovery-Replikation über Kontinente hinweg

Parallel dazu wächst auch die Cloud-Infrastruktur massiv. Allein 2023 wurden weltweit 23 neue Cloud-Regionen eröffnet, wobei Asien und Europa fast zwei Drittel aller aktiven Cloud-Zonen ausmachen. Jede neue Region erhöht die Komplexität globaler Datenströme.

Die Konsequenz: Connectivity muss heute vorhersehbare Performance liefern über

  • Latenz
  • Jitter
  • Packet Loss
  • Throughput

– und das über hybride SD-WAN-Architekturen, Internet-first-Netzwerke und Multi-Cloud-Umgebungen hinweg.

Mehr Traffic ist nur ein Teil der Geschichte. Die eigentliche Herausforderung ist, dass Workloads heute stärker verteilt, latenzsensitiver und stärker regionenübergreifend abhängig sind als je zuvor.

Die ökonomische Realität der Connectivity-Transformation

Neben den makroökonomischen Trends verändert sich auch die Wirtschaftlichkeit von WAN-Architekturen messbar. Eine Analyse aus der TeleGeography WAN Manager Survey, durchgeführt in Zusammenarbeit mit Open Systems, zeigt:

Der Wechsel von klassischen Dual-MPLS-Architekturen zu hybriden oder Internet-first-WANs kann

  • die gesamte WAN-Bandbreite um 61 % erhöhen
  • die Kosten pro Mbps um 45 % senken

Wie in der Executive-Infografik klar erkennbar ist, zeigt sich: Connectivity-Transformation ist nicht nur eine technische Modernisierung – sie ist ein Business Case.

Die zentrale Erkenntnis:

Organisationen, die Connectivity noch immer als statische Beschaffungsentscheidung betrachten, bauen ihre Cloud- und Security-Strategien auf instabilen Fundamenten.

Connectivity bedeutet heute nicht mehr nur „online zu sein“. Es geht darum, globale, sichere und leistungsfähige Geschäftsprozesse stabil und skalierbar zu betreiben.

Warum viele Organisationen Connectivity noch immer falsch angehen

Trotz ihrer strategischen Bedeutung wird Connectivity oft noch als Beschaffungsproblem behandelt, nicht als Design-Disziplin.

1. Symptome statt Ursachen behandeln

Typische Beschwerden sind:

  • schlechte SaaS-Performance
  • hohe Latenz zu Cloud-Anwendungen
  • sporadische Performance-Einbrüche
  • instabile Standortverbindungen

Die üblichen Reaktionen:

  • mehr Security-Tools einführen
  • Bandbreite erhöhen
  • SD-WAN-Policies anpassen
  • zusätzliche Firewalls installieren

Doch häufig liegt die Ursache tiefer:

  • fehlende Last-Mile-Redundanz
  • schlechtes ISP-Peering
  • überlastete Internetpfade im Middle Mile
  • fehlende Backbone-Optimierung
  • fragmentierte Providerlandschaft

Wenn das Underlay fehlerhaft ist, kann das Overlay es nicht reparieren. Ein Unternehmen, das eine cloudbasierte SASE-Inspection einführt, ohne das Backbone darunter zu optimieren, wird oft feststellen: Die Performance wird schlechter – nicht besser.

Das SASE-Framework ist nicht das Problem, sondern das Fundament.

2. Connectivity ohne Bezug zur Geschäftsstrategie planen

Connectivity-Entscheidungen sind oft entkoppelt von:

  • Applikationsarchitektur
  • Disaster-Recovery-Strategien
  • Produktions-Downtime-Toleranzen
  • HR-Policies für Hybridarbeit
  • M&A-Integrationsgeschwindigkeit
  • Expansionsstrategien in neue Regionen

Ein Produktionsstandort, der maximal 30 Minuten Downtime tolerieren kann, benötigt eine völlig andere Connectivity-Architektur als ein kleines Verwaltungsbüro.

Eine Cloud-first-Organisation braucht

  • lokalen Internet-Breakout
  • Backbone-Optimierung
  • robuste Disaster-Recovery-Designs

– nicht einfach mehr Bandbreite auf bestehenden Leitungen.

Connectivity muss widerspiegeln:

  • wer mit wem kommuniziert
  • von wo aus
  • über welche Anwendungen
  • mit welchen Performanceanforderungen

Sonst ist das Ergebnis vorhersehbar: frustrierte Nutzer und teure Ausfälle.

3. Die Abhängigkeit zwischen Security und Connectivity ignorieren

Security und Connectivity lassen sich heute nicht mehr getrennt planen.

Die Platzierung von

beeinflusst direkt:

  • Traffic-Flows
  • Bandbreitenbedarf
  • Performance

Wenn Security-Inspection Traffic über weit entfernte Nodes zwingt, ohne Backbone-Optimierung, ist Performanceverlust unvermeidlich. SASE verspricht die Konvergenz von Networking und Security.

Dieses Versprechen ist real, aber nur dann, wenn die Connectivity-Basis stabil, sauber beschafft und von Anfang an Teil der Architektur ist. Connectivity ist nicht getrennt von SASE. Sie ist die Grundlage, auf der SASE aufbaut.

Wie moderne Connectivity-Architektur aussieht

Eine moderne Connectivity-Architektur kombiniert

  • Flexibilität
  • Performance
  • operative Einfachheit

und ist so aufgebaut, dass sie SASE- und Cloud-Strategien optimal unterstützt.

Typische Bausteine:

Internet-First Tiered Design
Statt vollständig auf MPLS zu setzen, differenzieren Unternehmen nach Standorttypen.

  • geschäftskritische Standorte behalten hohe Redundanz
  • kleinere Standorte nutzen optimiertes DIA oder Broadband

Multi-Provider-Sourcing
Organisationen setzen auf lokale Best-of-Breed-Provider statt auf einen einzigen Carrier. Das erhöht Resilienz und Kosteneffizienz, aber auch die operative Komplexität.

Intelligente Backbone-Konnektivität
Ein gemanagter Backbone vermeidet unzuverlässige Middle-Mile-Internetpfade und ermöglicht vorhersehbare Latenz und Packet-Loss-Werte.

End-to-End SLAs
Nicht nur Access-SLAs, sondern messbare Qualitätsgarantien über den gesamten Datenpfad.

Die TeleGeography-Analyse zeigt klar: Hybride und Internet-first-WANs können gleichzeitig

  • mehr Bandbreite liefern
  • Kosten pro Mbps senken
  • die Architektur modernisieren.

Connectivity-Transformation ist daher nicht nur ein technisches Upgrade, sondern ein Business Case.

Connectivity als Managed Service statt Koordinationsproblem

Connectivity-Beschaffung ist heute stark fragmentiert. Unternehmen arbeiten oft mit einer Mischung aus

  • Telcos
  • ISPs
  • Aggregatoren
  • alternativen Providern.

Flexibilität steigt – aber auch Komplexität.

Open Systems Global Connectivity Services adressieren genau diese Herausforderung durch die Kombination von:

  • gemanagter Last-Mile-Beschaffung in 180+ Ländern
  • einem globalen WAN-Backbone mit 500+ PoPs
  • End-to-End SLAs für Verfügbarkeit und Trafficqualität
  • 24×7 Line Operations Service
  • einheitlichen Verträgen und klarer Verantwortlichkeit

Der Ansatz integriert:

  • Technologie: Backbone und Last Mile
  • Menschen: dedizierte Connectivity-Teams
  • Prozesse: Sourcing, Delivery und Operations aus einer Hand

Das Ergebnis: Connectivity wird zu einem Managed Service, der SASE und Security End-to-End unterstützt, und nicht zu einem Vendor-Koordinationsproblem ausserhalb der Architektur.

Connectivity ist das Fundament von SASE

SASE-Architekturen basieren auf:

  • verteilter Security-Inspection
  • dynamischer Pfadwahl
  • lokalem Internet-Breakout
  • globaler Backbone-Performance

Ohne stabile und intelligent designte Connectivity:

  • liefert ZTNA keine nahtlose User Experience
  • erzeugt SWG zusätzliche Latenz
  • verschlechtert sich Cloud-Performance
  • erzeugen Security-Policies Reibung

Bevor Sie das Overlay optimieren, müssen Sie das Underlay designen. Connectivity ist das Fundament von SASE.

Fazit: Der erste Schritt der Netzwerktransformation

Connectivity ist die Ebene, die entscheidet,

  • ob Ihre SASE-Architektur funktioniert
  • ob Ihre Cloud-Strategie liefert
  • ob Ihre globalen Geschäftsprozesse stabil laufen.

Sie verdient dieselbe strategische Aufmerksamkeit wie die Security- und Cloud-Plattformen, die auf ihr aufbauen.

Connectivity ist:

  • der Enabler der Cloud-first-Strategie
  • das Rückgrat hybrider Arbeit
  • die Voraussetzung für effektives SASE
  • ein Treiber der Applikationsperformance
  • ein zentraler Faktor der Business Continuity

In Teil 2 dieser Serie betrachten wir Connectivity speziell im Kontext von SASE und analysieren, wie Last-Mile- und Backbone-Connectivity jede einzelne SASE-Komponente beeinflussen – mit konkreten Praxisbeispielen.

Denn ohne ein starkes Fundament bleibt keine Architektur stabil.