Cybersecurity tritt in Europa in eine entscheidende Phase ein. Geopolitische Unsicherheiten, verschärfte regulatorische Anforderungen und zunehmende operative Komplexität verändern grundlegend, wie Unternehmen über Sicherheit entscheiden. Was früher eine technische Beschaffungsfrage war, ist heute ein Thema auf Verwaltungsrats- und Vorstandsebene.

Nach meinen ersten 100 Tagen als CEO von Open Systems – und nach über 25 Jahren Erfahrung im Aufbau und der Skalierung internationaler Cybersecurity-Unternehmen – ist eines klar: Die Ära der toolgetriebenen Sicherheit geht zu Ende. Die Zukunft gehört betriebener, verantworteter Cybersecurity.

Vom Kauf von Technologie zum Betrieb von Sicherheit

Über viele Jahre hinweg hat sich die Cybersecurity-Branche auf Features, Plattformen und Konsolidierung fokussiert. Unternehmen sind diesem Ansatz gefolgt – mit immer mehr Tools als Antwort auf steigende Bedrohungen.

Heute zeigt sich die Kehrseite: fragmentierte Security-Stacks, überlastete Teams und unklare Verantwortlichkeiten. Wenn es zu Vorfällen kommt, ist nicht mehr entscheidend, welches Tool versagt hat, sondern wer tatsächlich Verantwortung trägt.

Das Kernproblem ist nicht fehlende Technologie. Es ist fehlende Execution. Cybersecurity scheitert nicht, weil Tools fehlen, sondern weil niemand den Betrieb Ende-zu-Ende verantwortet.

Digitale Souveränität wird zur geschäftlichen Notwendigkeit

Diese Entwicklung hat digitale Souveränität von einem abstrakten Begriff zu einem handfesten Business-Thema gemacht. Verwaltungsräte und CISOs stellen heute sehr konkrete Fragen:

  • Wo liegen unsere Daten?
  • Welchem Rechtsraum unterstehen sie?
  • Wer übernimmt im Ernstfall die Verantwortung?

Für global tätige Unternehmen – insbesondere in regulierten Branchen – haben diese Antworten unmittelbare Auswirkungen auf Risiko, Compliance und Resilienz.

Bei Open Systems ist Souveränität operative Realität: Kundendaten unter Schweizer Rechtsordnung, keine US-Server, keine versteckten Abhängigkeiten und keine Exponierung gegenüber fremden Rechtsräumen, die Kunden nicht kontrollieren können. Diese Transparenz ist für viele Entscheider zu einem zentralen Kaufkriterium geworden.

Security im Betrieb: Was es wirklich braucht

Sicherheit zu betreiben ist etwas grundlegend anderes, als Software zu verkaufen.

Es bedeutet, Verantwortung über den gesamten Lebenszyklus zu übernehmen: Architektur, Implementierung, kontinuierlicher Betrieb und Incident Response. Dieses Modell ist anspruchsvoll, aber es ist das einzige, das in der heutigen Bedrohungslage skalierbar ist.

Open Systems verfolgt diesen Ansatz seit Jahrzehnten. Heute schützen wir als Cybersecurity-Unternehmen mit rund 100 Millionen US-Dollar Umsatz globale Organisationen mit zehntausenden Mitarbeitenden – einige davon mit über 60’000 Nutzern weltweit.

Diese Skalierung funktioniert nur, wenn Sicherheit von Beginn an für den Betrieb konzipiert ist – nicht für Präsentationsfolien.

Warum Schweizer Engineering heute mehr zählt denn je

In einem Markt, der von grossen US-Plattformen dominiert wird, mag Schweizer Engineering auf den ersten Blick zurückhaltend wirken. In der Praxis ist es ein echter Differenzierungsfaktor.

Schweizer Engineering steht für Präzision, Verlässlichkeit und langfristiges Denken – Eigenschaften, die in der Cybersecurity essenziell sind. Wir setzen bewusst auf Klarheit statt Komplexität, stabile Architekturen statt Feature-Overload und disziplinierten Betrieb statt Hype.

Das Swiss Made Software Label ist für uns kein Marketinginstrument, sondern ein überprüfbarer Nachweis dafür, dass der Kern unserer Entwicklung und Wertschöpfung in der Schweiz stattfindet – unter einem klaren rechtlichen und regulatorischen Rahmen. Für Kunden, die sich mit Souveränität, Compliance und geopolitischen Risiken auseinandersetzen müssen, ist das entscheidend.

KI als Hebel für bessere Execution, nicht als Abkürzung

Künstliche Intelligenz wird die Cybersecurity verändern, aber nicht auf die Weise, wie es viele Marketingversprechen suggerieren.

KI wird menschliche Expertise nicht ersetzen. Ihr eigentlicher Mehrwert liegt darin, manuelle Arbeit zu reduzieren, Reaktionszeiten zu verkürzen und Security-Teams zu befähigen, effizienter zu arbeiten. Gewinner werden nicht diejenigen sein, die am lautesten über KI sprechen, sondern diejenigen, die sie nutzen, um bessere Resultate zu liefern: weniger Incidents, schnellere Entscheidungen, stabilere Umgebungen.

Was Kunden und Partner 2026 richtig machen müssen

Unternehmen stehen gleichzeitig vor steigenden Bedrohungen, strengeren regulatorischen Vorgaben und einem anhaltenden Mangel an qualifizierten Security-Fachkräften. Wer Sicherheit weiterhin als Sammlung einzelner Tools betreibt, wird an Grenzen stossen.

Dasselbe gilt für Partner. Erfolg wird davon abhängen, Verantwortung zu übernehmen, sich zu spezialisieren und Security als Service zu betreiben. Reiner Wiederverkauf wird nicht skalieren. Kunden suchen Betreiber, keine Vermittler.

Wachstum folgt der Execution

Auch die Eigentümerstruktur von Open Systems unterstützt diesen langfristigen Ansatz. Mit der Schweizerischen Post als Eigentümerin haben wir den Freiraum, nachhaltig zu investieren, Stabilität zu priorisieren und langfristig zu denken. Wachstum und Stabilität sind keine Gegensätze – sie verstärken sich, wenn die Execution stimmt.

In der Cybersecurity wird Vertrauen operativ verdient. Es entsteht durch stabile Systeme, transparente Incident-Bearbeitung und klare Verantwortlichkeiten.

Europas Cybersecurity-Moment ist jetzt. Die Anbieter, die Souveränität, Verantwortung und Execution vereinen, werden definieren, wie Sicherheit in den kommenden Jahren aussieht.

Über den Autor
Dennis Monner ist CEO von Open Systems. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung im Aufbau und in der Skalierung internationaler Cybersecurity-, Cloud- und SaaS-Unternehmen.